Bickenbach für Krisenvorsorge ausgezeichnet
25.09.2026

Bickenbach für Krisenvorsorge ausgezeichnet
Innenminister Roman Poseck übergibt KOMPASS-Resilienz-Schild – Gemeinde hat bereits umfangreiche Vorsorgestrukturen aufgebaut
Bickenbach, 24.09.2026
Für ihre frühzeitig aufgebaute Krisenvorsorge ist die Gemeinde Bickenbach am 24. September 2026 ausgezeichnet worden. Hessens Innenminister Roman Poseck überreichte Bürgermeister Markus Hennemann das KOMPASS-Resilienz-Schild und würdigte damit die Maßnahmen, mit denen sich die Gemeinde auf außergewöhnliche Krisen- und Notlagen vorbereitet.
Bickenbach gehört zu den ersten hessischen Kommunen, die bereits vor dem offiziellen Start des Landesprogramms einen eigenen Resilienzbeauftragten benannt hatten. Diese Aufgabe übernimmt René Coradill, Fachbereichsleiter Bauen und Ordnung in der Gemeindeverwaltung und zugleich Gemeindebrandinspektor. Nach Angaben des Innenministeriums ist Bickenbach die sechste Kommune, die offiziell in das Programm aufgenommen wurde.
„Die Auszeichnung freut uns natürlich sehr. Noch wichtiger ist für uns aber, dass wir uns mit den möglichen Krisenszenarien frühzeitig und sehr konkret auseinandergesetzt haben“, sagte Bürgermeister Markus Hennemann. „Nicht zuletzt die veränderte sicherheitspolitische Lage hat unseren Blick darauf verändert, was staatliche und kommunale Vorsorge leisten muss.“
Handlungsfähigkeit auch in der Krise sichern
Im Mittelpunkt der Bickenbacher Planungen steht die Frage, wie die Gemeinde auch bei einem länger andauernden Ausfall wichtiger Infrastrukturen handlungsfähig bleiben kann. Dazu wurde ein kommunaler Verwaltungsstab eingerichtet und ein Konzept zur Aufrechterhaltung wichtiger Verwaltungsaufgaben und kritischer Infrastrukturen erarbeitet.
Auch technisch wurden bereits zahlreiche Vorkehrungen getroffen. Feuerwehrgerätehaus, Bürgerhaus und Rathaus können im Bedarfsfall mit Notstrom versorgt werden.
Mobile Netzersatzanlagen und Heizgeräte stehen zur Verfügung. Für Feuerwehr, Bauhof und die Notstromversorgung wurde zudem eine Kraftstoffvorsorge für zunächst 48 Stunden aufgebaut. Mobile Sirenen ermöglichen Warnungen und Durchsagen an die Bevölkerung. Hinzu kommen Übungen zur Trinkwasserversorgung über Notbrunnen und Vorkehrungen für einen Notbetrieb der Kindertagesstätten.
Auch eine Eigenbevorratung für Einsatzkräfte und deren Angehörige wurde in die Planungen einbezogen. Weitere Maßnahmen, darunter ein möglichst autarker Ausweichsitz und umfassendere Übungen des Verwaltungsstabs und der für kritische Infrastruktur zuständigen Kräfte, sollen folgen.
Hennemann dankte insbesondere der Freiwilligen Feuerwehr und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung für die bisher geleistete Arbeit. „Resilienz entsteht nicht durch ein einzelnes Konzept oder die Anschaffung einiger Aggregate. Entscheidend ist, dass im Ernstfall Strukturen vorhanden sind, Zuständigkeiten geklärt wurden und die Beteiligten wissen, was zu tun ist.“
Resilienz ist eine Daueraufgabe
Für den Bürgermeister endet die Arbeit deshalb nicht mit der Übergabe des Schildes. Krisenvorsorge müsse dauerhaft gepflegt und weiterentwickelt werden.
„Resilienz braucht nicht nur Konzepte, Technik und Material – Resilienz braucht auch Menschen, die sich dauerhaft darum kümmern“, betonte Hennemann. Alarm- und Einsatzpläne müssten regelmäßig überprüft und fortgeschrieben, Material beschafft, erfasst und gewartet sowie Übungen vorbereitet und ausgewertet werden. Auch Kontakte zu Behörden, Hilfsorganisationen und Betreibern kritischer Infrastruktur müssten kontinuierlich gepflegt werden.
Damit werde die Resilienzplanung künftig auch zusätzliche Personalressourcen innerhalb der Verwaltung beanspruchen. Welcher Umfang hierfür dauerhaft erforderlich sein werde und wie die Aufgaben organisatorisch am sinnvollsten gebündelt werden, müsse sich in der weiteren Arbeit zeigen.
„Die Übergabe des Resilienz-Schildes ist deshalb für uns nicht der Abschluss eines Projektes“, so Hennemann. „Sie bestätigt, dass wir einen guten Anfang gemacht haben. Gleichzeitig ist sie Auftrag, die begonnenen Strukturen dauerhaft funktionsfähig zu halten und konsequent weiterzuentwickeln.“
Vorsorge beginnt nicht erst im Rathaus
Innenminister Poseck hob bei seinem Besuch hervor, dass kommunale Resilienz angesichts von Naturkatastrophen, geopolitischen Spannungen, Cyberangriffen, Sabotage und möglichen Versorgungsunterbrechungen an Bedeutung gewonnen habe. Kommunen nähmen dabei eine zentrale Rolle ein, weil vor Ort wesentliche Aufgaben der Daseinsvorsorge erfüllt und Krisen unmittelbar bewältigt würden. Gleichzeitig kann auch eine gut vorbereitete Kommune nicht für jede denkbare Lage vollständige Vorsorge treffen. Deshalb spielt neben staatlichen und kommunalen Maßnahmen auch die persönliche Vorsorge der Bevölkerung eine wichtige Rolle.
Hennemann griff hierzu einen Gedanken auf, der auch die bisherige Bickenbacher Arbeit geprägt habe: „Pläne allein helfen uns im Ernstfall nicht. Entscheidend ist der Prozess der Vorbereitung: Szenarien durchdenken, Abläufe üben, Schwachstellen erkennen und immer wieder nachsteuern.“ Die Gemeinde wolle deshalb künftig nicht nur ihre internen Strukturen weiterentwickeln, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger stärker für eigene Notfallvorsorge sensibilisieren.
Zusammenarbeit von Land und Kommune
Hennemann dankte dem Land Hessen für das KOMPASS-Resilienz-Programm und die damit verbundene Unterstützung der Kommunen. Das Programm soll vorhandene kommunale Aktivitäten zur Krisenvorsorge bündeln und weiterentwickeln. Voraussetzung für die Teilnahme ist unter anderem die Benennung eines Resilienzbeauftragten; für die Auszeichnung müssen in verschiedenen Handlungsfeldern konkrete Maßnahmen angestoßen oder bereits umgesetzt worden sein.
Auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Nils Zeißler, begrüßte die Auszeichnung und die damit verbundene Anerkennung der bereits geleisteten Arbeit.
Für Bürgermeister Hennemann steht dabei vor allem der praktische Nutzen im Vordergrund: „Unser Ziel ist nicht, jedes denkbare Ereignis vorherzusagen. Unser Ziel muss sein, so vorbereitet zu sein, dass wir auch in einer unerwarteten Lage handlungsfähig bleiben.“

